Wann ist Weihnachten?
Predigt Christvesper - 24. Dezember 2011
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
IV.Reihe: Jesaja 9, 1-6
Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes
Licht; und über die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du
machst des Volkes viel; du machst groß seine Freude. Vor dir wird
man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich
ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast das Joch ihrer Last und
die Rute ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen
wie zur Zeit Midians. Denn alle Rüstung derer, die sich mit Ungestüm
rüsten, und die blutigen Kleider werden verbrannt und mit Feuer
verzehrt werden.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die
Herrschaft ist auf seiner Schulter; er heißt Wunderbar, Rat, Held,
Ewig-Vater Friedefürst; auf daß seine Herrschaft groß werde und des
Friedens kein Ende auf dem Stuhl Davids und in seinem Königreich,
daß er's zurichte und stärke mit Gericht und Gerechtigkeit von nun
an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus, unserm
Herrn.
Liebe Schwestern und Brüder,
wann ist für Sie eigentlich Weihnachten? Woran entscheidet sich das,
woran kann man das messen? Ich glaube einmal, nicht allein bei den
Geschenken unter dem Baum. Dann schon eher in der Stimmung unter dem
Baum. Ob es harmonisch ist im Miteinander. Fröhlich, ehrlich,
entspannt.
Ehrlich gesagt: Das ist nicht immer an den Weihnachtstagen der Fall.
Viele haben bis zuletzt arbeiten müssen, Kinder haben erst seit
gestern Ferien. Auf Knopfdruck lässt sich Weihnachten nicht
anschalten, kann keine entspannte Stimmung herrschen.
Für manche Menschen ist Weihnachten ein trauriges Fest. Dann, wenn
man gerade erst Abschied nehmen musste von einem Familienmitglied,
wenn wir enttäuscht wurden, allein sind. Sorgen begleiten uns: Wie
wird es werden in der Welt – werden die Rettungsschirme halten?
Welche Krankheiten werden uns bedrohen, welche Klimaveränderungen?
Wer rettet uns gegen irregeleitete Menschen, die wahllos töten? Wie
ungerecht ist unsere Welt, wie bedroht. Wie viel Hunger gibt es, wie
viel Krieg und Unterdrückung. Es ist so viel Finsternis, wo ist das
Licht …
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über
denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst
lauten Jubel, du machst groß die Freude.
Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie
man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr
drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken
ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.
Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn daher geht, und jeder Mantel,
durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die
Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat,
Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß
werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem
Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und
Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer
des Herrn Zebaoth.
Auch zur Zeit des Jesaja war die Welt dunkel, die Sorgen groß.
Mitten in die Dunkelheit verkündet er das Licht, das große Licht,
das andere Licht. Ein Kind ist geborgen, ein Kind der Hoffnung, das
alle Macht auf seinen schwachen Schultern trägt. Ein Friedensreich
wird es bringen. Recht und Gerechtigkeit wird es bringen.
Christen ist bei dieser alten Verheißung des Jesaja ein Licht
aufgegangen: Der Prophet meint ja Jesus! Jesus ist das Kind, Jesus
ist das große Licht, das den Menschen in der Finsternis aufleuchtet.
Jesus bringt den Frieden.
Wo Menschen dies erkennen, wo dies in ihr Herz fällt, da entscheidet
sich Weihnachten. Wo ein versteinertes Herz weich wird, wo Trauer
und Sorgen überwunden werden, wo das Miteinander von Menschen
fröhlich ist und harmonisch, da ereignet sich Weihnachten.
Weihnachten entscheidet sich gar nicht unterm Baum, gar nicht
unbedingt an einer Krippe. Weihnachten ist eine
Herzensangelegenheit.
„Immer, wenn zwei Menschen einander verzeihen,
ist Weihnachten.
Immer, wenn ihr anderen helft, ist Weihnachten.
Immer, wenn ein Kind geboren wird, ist Weihnachten.
Immer, wenn du versuchst, deinem Leben einen neuen Inhalt zu geben,
ist Weihnachten.
Denn es ist geboren die Liebe.
Denn es ist geboren die Freude.
Denn es ist geboren der Friede.
Denn es ist geboren die Gerechtigkeit.“
Aus Haiti stammt dieser Text, weit weg und doch so nah.
Weihnachten kann irgendwann mitten im Jahr stattfinden. Der Heilige
Abend, die Weihnachtstage sind natürlich ganz wichtig, weil dann die
entscheidende Botschaft vom Licht Gottes verkündet wird, die mit
Jesus in die Welt gekommen ist. All die Kerzen, die ja dieses Licht
anschaulich machen, die Krippenfiguren, auch das Tannengrün und die
vielen schönen Lieder helfen, dem Entscheidenden auf die Spur zu
kommen: Ein Licht scheint in der Finsternis, wir haben wieder
Hoffnung! Gott wird Mensch!
Doch wir Menschen haben es nicht in der Hand, dass sich dieses
Wunder gerade heute oder morgen ereignet. Genau das können wir
nehmen nicht planen. Es gibt ja auch an den Weihnachtsfeiertagen
viele Menschen, die arbeiten müssen. Für diese Menschen fällt
Weihnachten nicht einfach aus, es verschiebt sich nur oft genug auf
einen anderen Tag.
Nehmen Sie mich, liebe Schwestern und Brüder, ich werde oft gefragt:
Herr Pastor, wann ist denn eigentlich für Sie Weihnachten? Bei all
den Gottesdiensten bleibt doch keine Zeit für Privates. Ehrlich
gesagt: Seit vielen Jahren versuche ich gar nicht, an diesen Tagen
das Weihnachtswunder zu planen. Das entspannt ungemein, wenn man das
so sagen kann. Für das Weihnachtswunder ist dann nach Weihnachten
noch Zeit genug, auch im Januar und wann auch immer.
Und für mich ganz speziell war auch schon richtiges Weihnachten,
nämlich gestern und vorgestern als ich im Altenheim den Menschen
dort die Weihnachtsgeschichte vorgelesen habe. Soviel leuchtende
Augen, soviel Gefühle, soviel Herzlichkeit in den Augen, in den
Worten, in den Berührungen: das ist für mich Weihnachten. Denn das
ist das Licht, dass du die Geburt des Heilandes Jesus Christ in die
Welt gekommen ist:
Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche
vergibt,
wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt,
wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt,
wenn der Laute bei dem Stummen verweilt
und begreift, was der Stumme ihm sagen will,
wenn das Leise laut wird und das Laute still,
wenn das Bedeutungsvolle bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige wichtig und groß,
wenn mitten im Dunkeln ein winziges Licht
Geborgenheit und helles Leben verspricht,
dann, ja dann,
fängt Weihnachten an!
Wann fängt Weihnachten an?
(von Rolf Krenzer (1936 - 2007))
In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 27.12.11