Gottvertrauen
Predigt am 9.Sonntag nach Trinitatis - 21. August 2011
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
III.Reihe: Matthäus 7,24-29
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus.
Liebe Schwestern und Brüder,
vorgestern bin ich mit 30 Leuten von einer Familienfreizeit zurückgekommen. Das jüngste Kind war 10 Monate, die älteste Teilnehmerin 70 Jahre. Und vor drei Tagen saß ich noch mit den meisten dieser Runde in einem Tipi, einem Indianerzelt, fest, mitten im strömenden Regen, bei Gewitter. Das Tipi war ein selbstgebautes großes Zelt mit einem Platz für 30 Leute, in der Mitte brannte ein Lagerfeuer. Das Zelt stand auf einer Wiese, ein Stück von unserem Haus entfernt. Wir waren ziemlich abgeschnitten von der Zivilisation, es war nicht wirklich gefährlich, aber schon spannend, als plötzlich das Wasser auf der Wiese knöcheltief war und in das Zelt lief. Unaufhörlich. Wir haben ausgeharrt und haben Geschichten erzählt, schon um den Kindern die Angst vor dem Gewitter zu nehmen – und ein paar Erwachsenen auch. Wir warteten so stundenlang den Regen ab. Im Zelt war es auszuhalten: Das Feuer brannte, wir waren nicht allein … Nur das Wasser stieg immer höher und draußen zuckten die Blitze an dem pechschwarzen Himmel. Und heute soll ich diesen Text predigen:
JESUS SPRACH:
"Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß."
Soweit unser Predigttext. Gott, segne du dein Wort an uns allen.
Ich kenne auch eine Geschichte zu diesem Text. Eine, die eigentlich,
so denke ich mir im Nachhinein, auch gut in diese Situation des
Tipis gepasst hätte.
Ein Mann hatte sich ein Haus gebaut. Jahre hatte er dazu gebraucht, zu sparen, zu planen und zu bauen. Als es jetzt fertig war, feierte er ein Fest. „Wie bin ich froh, es so gut hinbekommen zu haben – endlich ein schönes Haus für meine Familie“, sagte er und betrachtete es und sah, dass das es sehr gut war.
Dann ging er in die Kirche, um Gott zu danken. Da traf er
jemanden, den er kannte und von dem er wusste, dass er ihn um sein
Haus beneiden würde. „He, Mann“, sagte dieser auch gleich, „wie kann
man so unklug sein, sich in der heutigen unsicheren Zeit ein Haus zu
bauen? Liest du nichts von den Unwettern, die über Land ziehen, von
plötzlichen Überschwemmungen, von Blitz und Donner, die ein Haus von
oben bis unten aufreißen, von Hagelkörnern, so groß wie
Tennisbällen, von Wirbelstürmen, die das Dach davontragen können,
von Sturmfluten, die ganze Häuser wegschwemmen?“
„Ich habe mein Haus auf gutem Grund gebaut“, sagte der Mann.
„Nun gut, selbst wenn dich das Unwetter einmal verschont hat, denke an das Feuer, das ganze Straßenzüge einäschern kann. Wie leicht springt ein Funke auch auf dein Dach über und dein Haus brennt bis zum Boden nieder, und all deine Ersparnisse, die du in dein Haus gesteckt hast, sind vernichtet. Auch hört man in der letzten Zeit so viel von Explosionen, die ganze Stadtviertel in Staub und Asche versinken lassen. Wie willst du dein Haus wiederfinden, wenn es nicht mehr steht.“
„Ich habe mein Haus auf gutem Grund gebaut“, wiederholte der
Mann.
„Wenn du das alles nicht fürchtest, Mann“, sagte der andere, „dann
überlege doch mal, in welchen politischen Zeiten wir heute leben.
Denk an die Talfahrt an den Börsen, schon morgen kann die
Weltwirtschaftskrise zuschlagen und dein Haus ist nichts mehr wert
oder es gibt Krieg und dein Haus wird zum Soldatenlager oder es gibt
Seuchen und Bombenhagel oder ein Komet stürzt auf dein Haus…“
„Ich habe mein Haus auf gutem Grund gebaut“, sagte der Mann zum dritten Mal. Der Neider sah ihn verständnislos an. „Du antwortest dreimal dasselbe, sagte er, worauf stützt sich deine Zuversicht, dass dein Haus stehen bleibt und ihm nichts geschehen kann wird? Worauf hast du gebaut, dass du anscheinend ohne Angst und Sorge lebst?“
Der Mann antwortete: „Es mag altmodisch klingen. Und es hat für manche Ohren einen komischen Klang. Aber ich baute mein Haus auf etwas, auf das man früher fast jedes Haus baute und es auch heute oft noch tut, auch wenn es viele nicht aussprechen, weil sie Angst haben, verlacht zu werden.“
„Worauf also?“
„Auf etwas, was ich von meinen Eltern mitbekommen habe: Auf Gottvertrauen.
Auf Gott vertrauen heißt auf Fels bauen. Wie sagt es Jesus?
Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.“
Gottvertrauen – das brauchen wir als Fundament für unser Leben. Wir haben unser Leben nicht immer selbst in der Hand. Bei Naturkatastrophen wird uns dies immer schmerzhaft bewusst. Oder im Hinblick auf die Zukunft: Keiner weiß, was sie bringen wird. Im Hinblick auf die Kinder, die uns anvertraut sind: unsere Möglichkeiten reichen vielleicht nicht aus, ihnen all das zu geben, was sie brauchen.
Gottvertrauen – das heißt nicht, die Hände in den Schoß legen und Gott die Lösung aller Probleme zuzuschieben. Das heißt es gerade nicht, im Gegenteil: Wir sollen schon ein Haus bauen, mit unseren Händen. Wir sollen unsere Hände gebrauchen, uns für keine Arbeit zu schade sein. Das Fundament können wir nicht legen, das tut Gott allein, aber was auf diesem Fundament wächst und wie es gestaltet wird, das liegt sehr wohl auch in unserer Hand.
Doch wie sehr wir uns auch immer bemühen – der Erfolg ist vergänglich und steht auf wackligen Beinen, wenn das Fundament nicht stimmt.
Deshalb brauchen wir das Gottvertrauen. Damit steht und fällt alles. Ob jung, ob alt, ob bei Gewitter im Indianerzelt oder bei Sonnenschein im scheinbar sicheren Gebäude. Gottvertrauen ist die Grundlage für alles.
Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 21.08.11