Hoffnungsstrahlen
Gedanken Jugendlicher
Gesammelt von Ingrid Köly-Hell, Hilfswerk GAAVER, Sao Paulo,
Brasilien
2. Sonntag nach Epiphanias - 16. Januar 2010
Am Samstag, 15. Januar, im Jugendgottesdienst, und am Sonntag,
16. Januar, im Hauptgottesdienst in Bad Lippspringe, war Ingrid Köly-Hell
vom Stern-der-Hoffnung-Hilfswerk GAAVER* zu Gast, und brachte mit
einigen Jugendlichen der Gemeinde folgende Texte zu Gehör, die sie
bei ihrem Besuch in der Schweiz mit einem Team Familiengottesdienste
entwickelt hat.
* GAAVER ist die Abkürzung von "Grupo de Apoio Amar é Viver",
übersetzt: "Hilfsgruppe Lieben ist Leben".
1.STRAHL
HOFFNUNG AUF GESUNDHEIT
In unserer Schulklasse gibt es einen Jungen der Noah heißt. Immer
wieder fehlt er. Vor kurzer Zeit musste er sogar im Rollstuhl zur
Schule kommen, da er keine Kraft mehr hatte, um auf eigenen Beinen
zustehen. Er erklärte mir, dass er immer wieder in der Schule fehlen
muss, weil er ins Krankenhaus gehen müsse, um sein Blut
auszuwechseln. Nur auf diese Art und Weise könne er wieder zu neuer
Kraft gelangen. Hoffentlich bekommt er immer wieder die Gelegenheit,
sein Blut auffrischen zu lassen und hoffentlich wird Noah wieder
einmal ganz gesund werden.
HOFFNUNG AUF GESUNDHEIT
Ich heiße Bruna und bin seit meiner Geburt HIV positiv, ich habe
AIDS. Jeden Tag muss ich meine Medikamente einnehmen und einmal im
Monat zur Blutabnahme ins Krankenhaus. Das nervt mich, aber es ist
die einzige Möglichkeit mich vor anderen Krankheiten zu schützen und
die Abwehrkräfte in meinem Körper zu stabilisieren Hoffentlich gibt
es bald einen Impfstoff gegen Aids, damit es allen Betroffenen
besser geht.
2. STRAHL
HOFFNUNG AUF NAHRUNG
Gestern Abend gabs bei uns Suppe zu essen und davor Salat. Beides
mag ich nicht gerne. Am liebsten gehe ich zu Mac Donald, esse
Hamburger und Pommes mit Mayo. Zu Weihnachten war es toll, da gab es
viele Süßigkeiten. Ich fand es aber auch gut, das wir alle zusammen
die Mahlzeiten eingenommen haben. Hoffentlich kann ich mich immer
darüber freuen, dass ich zusammen mit anderen essen kann und dass
jemand mit Sorgfalt gekocht hat.
HOFFNUNG AUF NAHRUNG
Reis und Bohnen sind das Hauptnahrungsmittel für unsere Familien. In
dem Lebensmittelpaket, welches sie monatlich von uns erhielten waren
alle Grundnahrungsmitteln erhalten. Nun sind diese Spenden vom Staat
gekürzt worden. Wir hoffen, dass es uns gelingt recht bald eine neue
Spendenquelle zu finden und das wir weiterhin unsere Familien mit
Lebensmitteln unterstützen können. Schön wäre es wenn jede Familie
zu den Festtagen auch noch einen Panetone erhalten würde.
3. STRAHL
HOFFNUNG AUF FAMILIE
Gestern Abend war ich wieder einmal so richtig wütend auf meine
Eltern. Sie nehmen sich, bevor ich einschlafen kann, im Moment
einfach keine Zeit für mich. Normalerweise lesen wir etwas zusammen
oder spielen ein Spiel auf dem Bett. Meistens beten wir danach noch
gemeinsam. Hoffentlich wird dies bald wieder so sein, vielleicht
dann, wenn sie es selber wieder etwas ruhiger haben und abends
früher zu Hause sind.
HOFFNUNG AUF FAMILIE
Der kleine Josua ist 4 Jahre alt. Seine Mutter ist gestorben, sie
hatte Aids. Nun lebt der Kleine mit den schwarzen Kulleraugen im
Kinderhaus vom Stern der Hoffnung. Wie viele andere Kinder wartet er
darauf eine Neue Familie zu finden. Hoffentlich gibt es bald ein
Ehepaar das den Kleinen adoptiert, damit er wieder eine Mutter hat
die ihn liebevoll in die Arme schliesst und ihn töstet wenn er
traurig ist.
4. STRAHL
HOFFNUNG AUF FREUNDSCHAFT
Diese Woche hat mich der Christoph einfach sitzen lassen obwohl wir
verabredet waren. Ich habe vor seiner Haustür gestanden und gewartet
. Seine Mutter hat mir gesagt das der Christoph ihr nichts von
unserer Verabredung erzählt hat und sich schon mit zwei anderen
Kameraden losgezogen ist. Ich kam mir ziemlich blöd vor und war
stinksauer aber auch sehr traurig, der Christoph ist doch mein
bester Freund.
Hoffentlich werde ich bei unserer nächsten Verabredung nicht wieder
von meinem besten Freund versetzt.
HOFFNUNG AUF FREUNDSCHAFT
Ich fühlte mich so allein, von allen vergessen und verlassen seit
ich weiss das ich Aids habe. Nun bin ich froh das der Stern auch für
mich leuchtet und ich in der Nähwerkstatt Menschen gefunden habe mit
denen ich lachen und weinen kann. Hoffentlich bleibt es noch lange
so, hoffentlich bleiben mir diese Freunde recht lange erhalten.
5.STRAHL
HOFFNUNG AUF ABENTEUER
Ich finde es toll, das es so viel Schnee gibt, da können wir jeden
Tag Schlitten fahren, das macht riesigen Spass.Im Winter ist bei uns
trotz der Kälte immer viel los. Wir haben ja ein warmes Zuhause und
viel Zeit um etwas zu unternehmen. Das können wir mit Freunden und
der Familie machen. Aber auch den Sommer mag ich gerne, wir spielen
dann viel draussen und es passieren immer ganz spannende Dinge.
Hoffentlich bleibt es noch lange so.
HOFFNUNG AUF ABENTEUER
Das Haus in dem ich wohne ist aus Holzbrettern zusammengenagelt und
sehr klein. Wir haben nur ein Zimmer zum Wohnen und Schlafen und ich
habe noch 5 Geschwister. Zum Spielen ist da kein Platz, darum
spielen wir auf der Strasse Fussball oder steigen auf die Dächer der
Häuser und lassen Drachen steigen. Hoffentlich können wir noch lange
so spielen und es passiert nichts.
6. STRAHL
HOFFNUNG AUF LIEBE
In der Schule hatten wir in der grossen Pause wieder mal „Krach“,
und dann ging ich allein nach Hause. Zuhause hatte ich Streit mit
meinem Bruder, da bin ich eben in mein Zimmer gegangen. Ich bin aber
nicht gerne allein und wünsche mir keinen Streit. Es ist nämlich
schön zu wissen, dass einen die Anderen mögen. Hoffentlich haben
mich die Eltern, meine Schwester und mein Bruder, meine Freundinnen
und Freunde so gern, wie ich sie mag.
HOFFNUNG AUF LIEBE
Ich bin 16 Jahre alt und habe Aids. Alle meine Schulkameradinnen
haben schon einen Freund. Ich kann niemanden von dieser Krankheit
erzählen, denn immer noch haben die meisten Menschen Angst davor.
Ich wünsche mir sehr jemandem zu begegnen der mich akzeptiert und
liebt so wie ich bin.
7. STRAHL
HOFFNUNG AUF ARBEIT UND SCHULE
Bei uns ist alles gut organisiert. Nach der obligatorischen
Schulzeit muss ich mich für einen Beruf entscheiden. Ich kann eine
Lehre machen oder gehe an Uni. Die Entscheidung fällt mir schwer.
Ich kann vielleicht nicht das machen, was ich möchte. Es kann ja
sein, dass meine Noten nicht gut genug sind, dass ich die Lehre
auswärts machen muss, oder dass die Lehrstellen bereits besetzt
sind. Hoffentlich kann ich das lernen und arbeiten, was ich mir
wünsche.
HOFFNUNG AUF ARBEIT UND SCHULE
Gestern haben meine Eltern mal wieder gestritten, das kommt oft vor
weil mein Papa sehr viel trinkt, wir ganz wenig Geld haben und mein
Papa arbeitslos ist, seitdem er AIDS hat. Mir geht es dann nicht gut
und ich habe auch kein eigenes Zimmer in dem ich mich verkriechen
kann. Ich schäme mich weil ich weiss das alle Nachbarn diesen Streit
hören, denn die Wände unserer Hütte sind aus dünnem Holz.
Hoffentlich findet mein Papa bald eine neue Arbeit.
8. STRAHL
HOFFNUNG AUF ZUFRIEDENHEIT
Ich bin manchmal unzufrieden, weil ich nur an Dinge denke, die mir
fehlen und ich haben möchte, weil ich mich deshalb bemitleide und
nach dem Motto lebe: mehr, mehr, mehr. Hoffentlich merke ich, dass
ich eigentlich nichts auszusetzen habe, dass ich nichts anderes
verlangen muss, als ich schon habe, und dass ich mich darüber freuen
darf, dass ich lachen, gehen, denken kann, dass ich relativ gesund
bin und morgens aufstehen kann, dass ich eine Familie habe, die mich
lieb hat. Hoffentlich kann ich wieder zufrieden sein.
HOFFNUNG AUF ZUFRIEDENHEIT
Ich lebe mit meiner Familie in der Favela, das sind die Armenviertel
hier in São Paulo. Wir haben nicht viel zum Leben, denn meine
Familie ist sehr gross. Seit meine Mutter Aids hat kommen die Leute
von GAAVER uns immer besuchen und helfen wo es geht. Meiner Mutter
geht es seitdem viel besser, sie sieht viel glücklicher aus. Ich
hoffe das es lange so bleibt und wir, obwohl wir sehr arm sind
glücklich und zufrieden leben können.
9. STRAHL
HOFFNUNG AUF GLAUBE
Ich gehe nicht immer gerne in die Kirche und den
Religionsunterricht, und das Abendgebet vergesse ich auch manchmal.
Manchmal ist es schwer, einfach so an Gott zu glauben und zu beten.
Es ist aber ein gutes Gefühl, glauben und hoffen zu können, dass
Gott mich beim Beten hört. Hoffentlich kann ich glauben, dass Gott
mir hilft, den rechten Weg zu finden.
HOFFNUNG AUF GLAUBE
Ich muss jeden Sonntag zum Kommunionsunterricht und ich mag nicht
immer gehen. Oft fällt es mir schwer zu glauben das Gott alle
Menschen gleich liebt. Wenn ich die Hochhäuser sehe in denen die
Reichen wohnen frage ich mich warum Gott es zulässt das es so grosse
Unterschiede gibt. In unserer Favela gibt es viel Kriminalität,
Drogenhandel und Armut. Aber es gibt Menschen die uns helfen und
dann glaube ich das es Gott gibt. Hoffentlich ist mein Glaube stark
genug um zu wissen das Gott mir den rechten Weg weisen wird.
(Erarbeitet von Ingrid Köly-Hell und dem Team
„Familiengottesdienste“, Schweiz)
Ingrid
Köly-Hell schreibt der Gemeinde regelmäßig Briefe aus Sao Paulo, wo
sie seit 1998 für den Stern der Hoffnung in den Favelas viele
Aids-Kranke und ihre Familien betreut. Ihre Briefe finden Sie in
unseren Gemeindebriefen abgedruckt.
Den letzten Brief können Sie auch
hier lesen.
Die Ev. Kirchengemeinde Bad Lippspringe unterstützt GAAVER seit
vielen Jahren. Seit 2010 unterstützt die
Gemeindestiftung Garten Eden die Anstellung einer Näherin (siehe
Brief aus Sao Paulo "Adoptieren Sie eine Näherin" im
Gemeindebrief 2009-05, S. 23-26).
Die wunderschönen Produkte der Nähwerkstatt Catavento finden Sie
hier:
http://cataventopatchwork.blogspot.com/
Weitere Informationen: www.sternderhoffnung.de und www.gaaver.org
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 19.01.11