Mit dem Auferstandenen steht auch ihr wieder auf
Predigt in der Osternacht - 4. April 2010
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
II.Reihe: Kolosser 3,1-4
Friede sei mit euch und Gnade von Gott, unserm Vater und unserm
Herrn Jesus Christus. Amen.
Der Predigttext steht im Kolosserbrief im 3.Kapitel:
„So seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.“
Liebe
Schwestern und Brüder,
„So seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben
ist, wo Christus ist …“ Um recht zu begreifen, was Auferstehung ist,
muss jemand vorher unten gewesen sein. Jemand muss die Sehnsucht
kennen, nach oben zu kommen, dorthin, wo das Licht ist.
Das deutsche Wort „Auferstehung“ gibt es im Griechischen, der
Sprache des Osterevangeliums, gar nicht. Dort heißt es ganz einfach:
„Aufstehen“. Das Aufstehen von einem, der nur trägt liegt, aber auch
das Aufstehen von einem, der sich nicht mehr bewegen kann, weil
Krankheit ihn an sein Lager fesselt.
Aufstehen kann nur einer, der vorher umgefallen ist oder umgelegt
wurde, von dem heißt: Der steht nicht wieder auf.
Aufstehen hat etwas mit Aufstand zu tun, damit, dass Menschen mutig
dagegen angehen, wo andere durch Gewalt gefügig gemacht werden, sich
ducken, sich beugen oder unterwerfen müssen.
Dieses meint zunächst die biblische Rede vom Aufstehen Jesu: Der
Stein ist weggewälzt, die Verschlossenheit des Grabes aufgebrochen,
die Endgültigkeit des Scheitern von einem, der normalerweise nicht
mehr aufsteht, überwunden.
In der deutschen Sprache erfährt das Wort „aufstehen“ eine Einengung
durch das Einfügen der Silbe „er“. Diese Silbe bezeichnet die
definitive Wirkung eines Vorgangs, also: Jesus Aufstehen ist
endgültig, es hat den Charakter des endgültigen Triumphes.
Dies soll uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses
Auferstehen schon jetzt und hier unser Leben verändert. So heißt es
ja ausdrücklich: Ihr seid in Christus auferstanden! Das Wissen um
das Aufstehen Jesu aus der Endgültigkeit des Todes lässt alle Dinge
in einem neuen Licht erscheinen. Es gibt diese Endgültigkeit des
Todes nicht mehr. Für die, die da liegen, aus Trägheit oder aus
Lähmung, gibt es ein Aufstehen, ein Aufsehen, ein Aufrichten des
Blickes.
Menschen verändern von Grund auf ihr Leben, ihre abgrundtiefe
Verzweiflung wird in helle Freude verwandelt, wenn ihnen der
auferstandene Christus erscheint. „Erscheint“ – auch das wieder ein
deutsches Wort, das im griechischen Urtext keine unmittelbare
Entsprechung hat. Die Bibel spricht ganz undramatisch davon, dass
Jeus von seinen Freunden wieder gesehen wird.
Und überall da, wo Jesus wieder gesehen wird, geschieht dasselbe:
Angst verwandelt sich in Freude, verschlossene Türen öffnen sich.
Menschen erhalten den Auftrag, hinauszugehen in alle Welt und diese
Freude weiterzusagen:
- denen, die am Boden liegen, von denen es heißt: „Die stehen nie
wieder auf“ gilt: Seht auf, denn mit dem Auferstandenen steht auch
ihr wieder auf. Das sollen wir vermitteln, wie Aufständische,
einander mitreißend mit unserer ganzen Existenz,
denn:
„Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit
tragischem Gesicht umherlaufen und die humorlose Existenz eines
Menschen führen, der keine Hoffnung hat. (Karl Barth“)
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 04.04.10