Den
Ring tragen
Predigt am 17.Sonntag n. Trinitatis -
26. September 2010
Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe
II.Reihe: Römer 10, 9-17
Denn so du mit deinem Munde bekennst Jesum,
daß er der HERR sei, und glaubst in deinem Herzen, daß ihn Gott von
den Toten auferweckt hat, so wirst du selig. Denn so man von Herzen
glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so
wird man selig. Denn die Schrift spricht: "Wer an ihn glaubt, wird
nicht zu Schanden werden." Es ist hier kein Unterschied unter Juden
und Griechen; es ist aller zumal ein HERR, reich über alle, die ihn
anrufen. Denn "wer den Namen des HERRN wird anrufen, soll selig
werden."
Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie
sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? wie
sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen,
wo sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht: "Wie
lieblich sich die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die das
Gute verkündigen!" Aber sie sind nicht alle dem Evangelium gehorsam.
Denn Jesaja sagt: "HERR, wer glaubt unserm Predigen?" So kommt der
Glaube aus der Predigt, das Predigen aber aus dem Wort Gottes.
Friede sei mit euch und die Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.
„Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und
in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt
hat, so wirst du gerettet.
Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man
mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.“
So beginnt unser Predigttext, Römer 10, 9-17, wir haben ihn eben
schon als Epistellesung gehört – und so endet er:
„So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch
das Wort Christi.“
Liebe Schwestern und Brüder,
dies ist ein Ring:
Ein in sich
geschlossenes System. Eine Veranschaulichung, wie es mit dem Wort
Gottes und der Predigt und dem Glauben funktioniert: Zunächst ist da
die Botschaft von Gott, dessen Liebe in Jesus Christus Mensch wurde,
der am Kreuz von Golgatha starb und den Gott auferweckt hat nach
drei Tagen. Diese Botschaft bringt Menschen dazu, sie anderen
Menschen weiterzusagen, sie ihnen zu verkündigen, anschaulich zu
machen, sie davon zu begeistern, ihnen die Bedeutung für das eigene
Leben klar zu machen, sie damit aufzurichten, zu trösten, froh zu
machen. Das nennt man Predigen. Denn so sollten eigentlich Predigten
sein: Lebendig, fröhlich, mitreißend und tröstlich und nicht – wie
manche dies aus leidiger Erfahrungen feststellen müssen: schlichtweg
langweilen. Schon Paulus wusste: mit dem Mund etwas bekennen, ist
noch gar nichts. Erst der Glaube im Herzen macht heil, rettet aus
aller Angst und Anfechtung.
Zurück zum Ring: Also das ist Wort vom rettenden Gott. Die Predigt,
das Sprechen davon – übrigens in Wort und Tat – führt zum Glauben.
Ohne das Hören auf Gottes Wort kann kein Glaube wachsen. Das ist nun
einmal so! Wenn wir selber einen Glauben zurecht schmieden, dann
kann das ja eine ganz gefällige Form haben, aber er bleibt ja nur
etwas Selbstgemachtes, nichts, was wirklich trägt und hält.
Nichts, wofür dieser Ring steht: aus dem Wort Gottes die Predigt,
daraus der Glaube – und durch den Glauben wieder das Verstehen des
Wortes Gottes und der Predigt.
Eines erklärt sich durch das andere. Ohne Gottes Wort kein Glaube,
aber ohne Glaube auch kein Verstehen von Gottes Wort!
Ganz wichtig ist hier zu verstehen, was „Glaube“ meint. „Ich glaube
dir“, sagen wir – und wir meinen damit: Ich vertraue dir! Glaube
meint eine Beziehung, ist mit Leidenschaft, Gefühl, manchmal auch
mit Wagnis verbunden.
Im Deutschen gebrauchen wir das Wort „Glaube“ auch ganz anders: „Ich
glaube, wenn die Sonne nicht scheint, ist es dunkel.“ Glaube heißt
hier: Etwas für wahr für richtig halten. Im Sinne einer bloßen
Annahme, ohne Leidenschaft, ohne Gefühl.
Dieses „Glauben“ meint Paulus nicht. Er meint das Wagnis des
Vertrauens: „Ich glaube dir!“ „Ich verlass mich auf dich!“ „Ich
riskiere etwas, wenn ich dir Glauben schenke!“
Wagnis des Glaubens: Ich vertraue darauf, dass das, was mir aus der
Mitte des Wortes Gottes verkündigt wird, wahr ist. Ich glaube, dass
Jesus Menschgewordene Liebe Gottes ist, das er starb und auferstand
auch für mich – und dass dies mein Leben betrifft und verändern
kann, dass dies mir Hoffnung gibt, meinem Leben Sinn verleiht.
Ich vertraue darauf – und durch dieses Vertrauen werden mir die
Augen geöffnet. Ich sehe um mich herum Zeichen für die Liebe Gottes,
für seine Nähe. Ich sehe Menschen, die es gut mit mir meinen, die
Gott mir geschickt hat, damit sie mich und mein Leben hell machen,
mich auf den richtigen Weg bringen. Ich muss gar nicht alles selber
schaffen und bewerkstelligen, muss gar nicht meines eigenen Glückes
Schmied sein, sondern kann mir mein Glück schenken lassen und
dankbar darüber sein, dass es ein so schönes Geschenk ist.
Die Wahrheit ist ein Ring – eines baut auf das andere auf, eines
erschließt das andere. Ich kann nicht sagen: beweis mir erst einmal,
dass es Gott gibt und dass Jesus sein Sohn war, dann will ich –
vielleicht – glauben. Ich kann auch keinem Menschen beweisen, dass
der Rettungsring, den ich ihm ins Wasser nachgeworfen habe, ihn über
Wasser hält. Der Mensch im Wasser muss ihn schon ergreifen, um
selbst die Erfahrung zu machen, dass der Rettungsring retten kann.
Seife macht nicht sauber, wenn ich sie nicht benutzte. Liebe wird
niemals glücklich werden, wenn ich niemals wage, sie dem anderen
Menschen zu gestehen, denn wie sie soll sie sonst erwidert werden.
Ob jemand oder etwas gut für mich ist, werde ich nur erfahren, wenn
ich wenigsten ein bisschen Vertrauen aufbringe, dem anderen zu
glauben.
Die Wahrheit ist ein Ring – eines baut auf das andere auf, eines
erschließt das andere. Ich muss diesen Ring selber tragen, um etwas
von der freimachenden, sinnstiftenden Wahrheit zu erfahren. Im
Herzen glauben, irgendwie, versteckt im kleinen Kämmerlein, das
macht noch nicht frei. Bekennen, das zeigen, was einem geschenkt
wurde: Das heißt übertragen, den „Ring tragen“.
Dieses „Ring tragen“ hilft. Wir sehen, auch andere Menschen tragen
Ringe, bekennen sich zum Glauben an den einen Gott, der in seinem
Sohn Jesus Christus uns das ewige Leben schwenkt. Es tut gut, diese
Gemeinschaft zu spüren, denn Gemeinschaft schafft Gewissheit. Das
Vertrauen wächst. Das Vertrauen, das nur ein anderes Wort für
Glauben ist.
Und wir spüren, wie alles in einander greift, das eine sich aus dem
anderen ergibt: Das Vertrauen in Gottes Wort, das Vertrauen zu
anderen Menschen, die es gut mit einem meinen und das Vertrauen zu
sich selbst. Denn wenn wir ein von Gott geliebtes Geschöpf sind,
warum sollten wir nicht viel gnädiger und liebevoller auch mit uns
selbst umgehen?
Der Ring als Zeichen für den Glauben, die leidenschaftliche,
aufregende, sinnstiftende Beziehung zwischen Gott und uns Menschen.
Wir werden dem Geheimnis des Glaubens nicht auf die Spur kommen,
wenn wir ihn wie einen Ring zersägen oder im Säurebad analysieren.
Wir zerstören damit das, worauf es eigentlich ankommt.
Das Geheimnis des Glaubens werden nur begreifen, wenn wie diesen
Glauben anwenden, wenn wir eben Gottes Wort vertrauen, das in unser
Herz lassen, was uns andere von ihm erzählen und offen bekennen, was
uns das Herz sagt. Eben – in drei Worten gesagt: „Den Ring tragen“.
Seife, die angewendet wird, reinigt. Ein Rettungsring, den man
ergreift, trägt. Glaube, der mutig das für möglich hält, womit Gott
mein Leben rettet, hält ein Leben lang und darüber hinaus.
„So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das
Wort Christi.“
So ist das mit dem Ring der Wahrheit, dem Ring der Liebe Gottes.
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre
eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.
© Ev. Kirche Bad Lippspringe 26.09.10