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„Gemeinsamkeiten entdecken – Unterschiede tolerieren“

Erstes Gespräch der Religionen in Bad Lippspringe

VON JAN GLOBACEV

Stellten sich und ihren Glauben vor: (v.r.) Pastor Georg Kersting, Pfarrerin Antje Lütkemeier, Ömer Karaca, Imam Muzaffer Özkesemen und Modjgan Bidarde, Bürgermeister a. D. Willi Schmidt (rechts) moderierte. FOTO: WOLFGANG DZIERAN 

Stellten sich und ihren Glauben vor: (v.r.) Pastor Georg Kersting, Pfarrerin Antje Lütkemeier, Ömer Karaca, Imam Muzaffer Özkesemen und Modjgan Bidardel, Bürgermeister a. D. Willi Schmidt (links) moderierte. FOTO: WOLFGANG DZIERAN

BAD LIPPSPRINGE – Das erste Bad Lippspringer Gespräch der Religionen stand unter dem Motto „Gemeinsamkeiten entdecken und Unterschiede tolerieren“. Über 70 Besucher folgten der Einladung der verschiedenen Religionsgruppen.

„Wir wollen uns heute Abend gemeinsam informieren, was die Menschen, die mit uns wohnen, glauben“, eröffnete der Moderator, Altbürgermeister Willi Schmidt, die Informationsveranstaltung im gut gefüllten Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde. Um den interreligiösen Dialog und die Zusammenarbeit vor Ort sei es gut bestellt. Denn die Religionsvertreter arbeiteten seit einigen Jahren zusammen beim „Runden Tisch der Religionen“. Vertreten sind dort: die Bahai-Religion, die Evangelische und Katholische Kirche und der Islam. Die Vertreter dieser Religionen stellten an diesem Abend jeweils in kurzen Vorträgen ihren Glauben und ihren Alltag vor.

Pfarrerin Antje Lütkemeier von der Evangelischen Kirchengemeinde eröffnete: „Wir glauben an den einen Gott, den Schöpfer dieser Welt, der Vater und Mutter der Menschen ist“. Ein weiteres Grundanliegen der Evangelischen Kirche sei es, die Bibel für Menschen verstehbar und lesbar zu machen. Martin Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche sei ein wichtiges Ereignis in der Kirchengeschichte gewesen.

Der türkische Imam Muzaffer Özkesemen erzählte, dass im Islam neben dem Koran weitere heilige Schriften, so auch die Bibel, eine große Rolle spielten. Der Glaube an den Propheten Mohammed sowie an Engel wie Gabriel und Azrael seien ebenfalls wichtig. „Ein gläubiger Moslem muss im Leben sehr aufpassen und die Gebote und Verbote achten“, so der Imam.

Im katholischen Glauben, den Pastor Georg Kersting von der St. Martinsgemeinde vorstellte, stehe die Person Jesu Christi und der persönliche Bezug zu ihm im Mittelpunkt. Pastor Kersting: „Dieser Jesus wird unter anderem im Gottesdienst oder bei der Feier der Eucharistie lebendig.“

Modjgan Bidardel, die in Persien geboren und in England aufgewachsen ist und seit 13 Jahren in Bad Lippspringe zuhause ist, teilte den Zuhörern die Grundzüge der Bahai-Religion mit. Die Bahai, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert in Persien haben, gehen zurück auf die Offenbarungen des Baha’u’llah, einem Propheten. „Gott sei der Schöpfer aller Dinge und seine Liebe umfängt das Leben“, erzählte sie. „Wir entspringen alle den selben Wurzeln, alle Menschen sind gleich“, dies sei eines der wichtigsten Ziele. Bei Bahai-Veranstaltungen, die in Privaträumen abgehalten werden, kämen regelmäßig 30 bis 40 Gläubige.

„Der Sonntag ist mir sehr wichtig, als Tag der Schöpfungsruhe“, sagte Pfarrerin Lütkemeier, auf die Frage wie man seinen Glauben auslebt. Des Weiteren sei unverzichtbar, den Kontakt zu Gott täglich mit Gebeten zu pflegen. Im Leben eines Muslimen, so Imam Muzaffer Özkesemen, ständen die Fastenzeit, der Ramadan und das tägliche Beten (fünf Mal am Tag) im Vordergrund.

Pfarrerin Antje Lütkemeier, zog nach einer mehr als zweistündigen Frage- und Diskussionsrunde eine positive Bilanz: „Ich freue mich sehr, dass so viele Menschen heute Abend hier sind, und über die Qualität der hier gestellten Fragen. Die sachliche Diskussion empfand ich als positiv.“ Nach der gelungenen Auftaktveranstaltung soll es künftig weitere Informationsveranstaltungen dieser Art geben.

Auf Nachfrage zum geplanten Minarettbau, der in den vergangen Monaten für Diskussionen in der Badestadt sorgte, sagte Ömer Karaca, Sprecher der Islamischen Gemeinde: „Der Bauantrag ist weiterhin aktuell, derzeit werden jedoch noch Einzelheiten geprüft. Mittlerweile liegt die Zustimmung des Nachbarn vor. Die angeregten Gespräche und Begegnungen wurden anschließend in kleineren Gruppen bei Tee und orientalischen Leckereien fortgesetzt.


RUNDER TISCH DER RELIGIONEN

Den Runden Tisch der Religionen gibt es seit vier Jahren. Dort treffen sich Vertreter der Bahai, der beiden christlichen Kirche und der Moscheegemeinde. Es wird dabei an verschiedenen Themen wie zum Beispiel Frauen in der Religion, Gastfreundschaft oder Fasten gearbeitet und die verschiedenen Meinungen diskutiert. Das Gespräch der Religionen war die erste öffentliche Veranstaltung dieser Art.
 

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© Ev. Kirchengemeinde Bad Lippspringe  14.06.10